Jeder Mensch hat seine eigene Mitte. Ist man in ihr fest verankert, kann es draußen ruhig stürmen und schneien, das haut einen nicht um. Der Atem fließt ruhig. Kennt man seine eigene innere Mitte und weiß den Weg dorthin, dann hat man sich wesentlich schneller wieder gefangen, wenn heftige Ereignisse auf einen einstürmen. Man findet leichter wieder die Orientierung.

Unser modernes Leben trägt es mit sich, dass wir im Laufe des Tages in verschiedene Rollen schlüpfen (müssen): so verhält man sich als Vorgesetzter oder als sein Mitarbeiter; man hat die Mutterrolle – die des Kindes – des Vaters, der Großmutter. Man steht auf der Bühne, man ist Publikum… All diese Rollen verlangen ein bestimmtes Auftreten.

Die eigene Zentrierung in einer Rolle zu suchen ist zu einseitig, man brennt schneller aus, weil der Ausgleich auf den anderen Kanälen fehlt. Die eigene innere Mitte kann man ganz gut mit der Fahnenstange in der Mitte eines Rundzeltes vergleichen. Sie hält das ganze Zelt, doch muss jedes einzelne Seil gut gespannt sein. Spannt man nur das eine oder andere Seil, so kann man vielleicht das Zelt so irgendwie zum Aufrichten bringen. Die Stabilität aber kommt aus der mittleren Stange und der Ausgeglichenheit der Streben.

Diese innere Zentrierung findet ihren Halt in einer guten Verankerung in der Erde und gleichzeitig im Himmel; sie liegt in der ausgeglichenen Verbindung des geistigen Elementes mit der Materie. Diese Zentrierung kann ich Ihnen verbal vermitteln und mit meinen Händen kann ich Sie sie fühlen lassen; dann versteht der Körper unmittelbar. Eigentlich achte ich bei jeder Atemsitzung auf diesen Aspekt, denn er stärkt die eigene Persönlichkeit. Vielleicht erinnern Sie sich an den Kernsatz von Goethes Jungen Werther „Sich selbst verloren ist alles verloren“.